Pferde antrainieren – aber in Maßen

Der Frühling steht vor der Türe, die Tage werden länger und die Trainingsmöglichkeiten besser. Doch wer jetzt ganz plötzlich den Trainingsplan hochschraubt, kann sein Pferd schnell überfordern – vor allem, wenn man die Arbeitstage und die Ruhetage nicht sinnvoll abstimmt, denn dann ist ein Kreuzverschlag nicht weit. Vor allem dann, wenn am Stehtag die Kraftfuttermenge und damit die Kohlenhydratzufuhr nicht reduziert wurde. Diese kann vom Stoffwechsel nicht bewältigt werden, so dass u.a. Laktat (Milchsäure) gebildet wird, welches sich in der Muskulatur ansammelt und die Muskelfasern schädigt. Ein ausreichend langes Aufwärmen von etwa 15 Minuten vor der Belastung sollte selbstverständlich sein, genauso wie die langsame Steigerung der Trainingsintensität. Seitens der Fütterung muss der Kraftfutterbedarf überprüft werden. Viele freizeitmäßig gerittene Pferde kommen mit Heu und Mineralfutter aus; sie benötigen nur wenig oder kein Kraftfutter. Steht bei Reitpferden doch ein Ruhetag an, so muss die Kraftfutterration deutlich gekürzt werden. Mit diesen einfachen Maßnahmen kann man den Muskelschmerzen beim Pferd vorbeugen.

Kreuzverschlag zählt mit seinen verschiedenen Verlaufsformen zu den so genannten Belastungsmyopathien (Myopahtie: gr. „Muskelleiden“), d.h. die Muskelschmerzen treten während der Belastung des Pferdes auf. Dieses Phänomen lässt sich lässt sich in eine akute (SER – Sporadic Exertional Rhabdomyolysis) und eine wiederkehrende, leichtere (RER – Recurrent Extertional Rhabdomyolysis) Verlaufsform unterteilen. Die Ausprägung der Symptome ist unterschiedlich und hängt vom Schweregrad des Kreuzverschlags beim Pferd und der Muskelschädigung ab:

SER: Milde Form – Tying-Up

Folgende Symptome treten bereits fünf bis zehn Minuten nach Belastungsbeginn auf:

  • Unruhe,
  • klammer Gang,
  • verspannter Rücken,
  • leichte kolikartige Symptome,
  • strohgelber Harn,
  • verkrampfte Haltung.
SER: Moderate Form

Bei dieser Verlaufsform zeigt das Pferd die ersten Symptome des Kreuzverschlags ca. 20 bis 30 Minuten nach Arbeitsbeginn:

  • Das Pferd wird langsamer und triebiger,
  • geht steif,
  • bleibt plötzlich stehen,
  • beginnt zu schwitzen,
  • die Kruppenmuskulatur ist schmerzhaft und weist einen höheren Muskeltonus auf.
SER: Der klassische Kreuzverschlag - Paralytische Myoglobinurie

Bei der schwersten Form des Kreuzverschlags beim Pferd treten die Symptome innerhalb der ersten halben Stunde bei der Arbeit auf:

  • Das Pferd bleibt plötzlich stehen,
  • ist „ängstlich“,
  • kann seine Hinterbeine nicht mehr koordinieren,
  • zeigt kolikartige Schmerzen, die durch Muskelkrämpfe ausgelöst werden,
  • setzt kaffeebraunen Harn ab,
  • Rücken- und Kruppenmuskulatur schmerzen sehr stark,
  • übermäßiges Schwitzen (Gefahr von Dehydration),
  • weitere Symptome sind erhöhte Temperatur, gerötete Schleimhäute, Herzrasen, schnelle Atmung und fehlende Darmgeräusche.

Zeigt ein Pferd die oben genannten Symptome, muss es sofort zurück in den Stall gebracht werden. Nun muss entsprechend behandelt werden. Um weitere Muskelschäden zu vermeiden, darf das Pferd keine weiten Strecken mehr zurücklegen. Tritt der Kreuzverschlag während eines Ausritts auf, so sollte ein Zugfahrzeug mit Hänger organisiert und das Pferd in den Stall oder die Klinik gefahren werden. Bis der Tierarzt kommt kann man das Pferd eindecken, um die schmerzende Muskulatur zu entspannen (nicht bei überhitzten Pferden!). Elektrolyte und Flüssigkeit helfen, die schädlichen Stoffe aus dem Körper zu transportieren. In leichten Fällen ist das Pferd innerhalb weniger Stunden wieder weitestgehend fit. Leidet das Pferd unter einem schweren Kreuzverschlag, so kann sich die Genesung über mehrere Wochen hinziehen. In der Zeit nach einem Kreuzverschlag sollte man die Muskelenzymwerte im Auge behalten; bis die Normalwerte wieder erreicht werden, können bis zu zwei Monate vergehen.

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