Slobber-Syndrom beim Pferd – Ursachen, Symptome & Tipps für Pferdehalter

Immer häufiger wird in Deutschland das sogenannte Slobber-Syndrom beim Pferd beobachtet. Die Erkrankung, auch „Speichelsyndrom“ oder „Red Clover Disease“ genannt, ist für Pferdebesitzer sehr auffällig: Betroffene Tiere speicheln literweise, teilweise über Stunden oder sogar Tage. Doch was steckt hinter diesem Phänomen, wie gefährlich ist es wirklich und was können Pferdehalter tun?

Was ist das Slobber-Syndrom?
Das Slobber-Syndrom ist eine Vergiftungserscheinung, die durch das „Mykotoxin Slaframin“ ausgelöst wird. Dieses Gift wird von dem Pilz „Rhizoctonia leguminicola“ gebildet, der vor allem Rot- und Weißklee sowie Luzerne befällt. Charakteristisch sind kleine schwarz-bronzefarbene Flecken auf den Blättern.
Wichtig: Nicht der Klee selbst ist das Problem, sondern ausschließlich der Pilzbefall.

Symptome beim Pferd
Das auffälligste Symptom ist der extreme Speichelfluss (Hypersalivation). Pferde geben teilweise mehrere Liter klaren, zähen Speichels pro Tag ab, der sich auch auf Böden und Wänden bemerkbar macht.
Weitere Symptome können sein:
– Leerkauen und deutliche Schaum- oder Speichelbildung
– gerötete Augen
– gelbliche Ablagerungen in der Maulschleimhaut
– Durchfall und verstärkter Harnabsatz
– in seltenen Fällen: Koliken, Muskelzittern oder Aborte bei tragenden Stuten
Die ersten Anzeichen treten oft schon eine Stunde nach Aufnahme von befallenem Futter auf und halten ein bis zwei Tage an.

Therapie – was tun im Akutfall?
Die wichtigste Maßnahme ist das sofortige Entfernen der Pferde von der betroffenen Weide bzw. das Entsorgen des belasteten Heus. Meist klingen die Symptome nach wenigen Tagen von selbst ab.
Zur Unterstützung können Tierärzte:
– entzündungshemmende Medikamente geben,
– in schweren Fällen Atropin einsetzen, um die Speichelproduktion zu reduzieren.
Langfristige Schäden sind in der Regel nicht zu erwarten.

Wie gefährlich ist das Slobber-Syndrom?
In den meisten Fällen ist die Erkrankung nicht lebensbedrohlich, sondern vor allem unangenehm für Pferd und Halter. Gefährlich wird es jedoch dann, wenn:
– Pferde viel Flüssigkeit verlieren und nicht ausreichend saufen,
– Durchfall oder Koliken auftreten,
– oder tragende Stuten betroffen sind.
Ein tierärztlicher Check ist daher immer empfehlenswert.

Vorkommen & Risikofaktoren
Der Pilz Rhizoctonia leguminicola bevorzugt feucht-warmes Wetter (20–25 °C, hohe Luftfeuchtigkeit, pH-Wert 5,9–6,5). Befallene Pflanzen können bis zu zwei Jahre lang Träger des Pilzes bleiben.
Auch Heu und Cobs können belastet sein – Slaframin bleibt über Monate stabil. In frischem Heu wurden Konzentrationen von bis zu 100 ppm gemessen, nach 10 Monaten sank der Wert jedoch auf ca. 7 ppm ab. Symptome treten meist ab 10 ppm auf, wobei es individuelle Unterschiede in der Empfindlichkeit gibt.

Vorbeugung und Weidemanagement
Pferdehalter können einiges tun, um ihre Tiere zu schützen:
– Weiden regelmäßig kontrollieren, schwarze Flecken auf Klee beachten.
– Weidewechsel bei Verdacht, Pferde sofort von befallenen Flächen nehmen.
– Heu statt Weide, in Risikophase Heu füttern.
– Kleeanteil reduzieren durch Mulchen, Nachsaat von Gräsern, gute Weidepflege.
– Futtermittel prüfen, verdächtiges Heu ggf. erst nach 10–12 Monaten verfüttern.
– Wasserversorgung sicherstellen; Pferde verlieren viel Flüssigkeit über den Speichel.

Fazit
Das Slobber-Syndrom beim Pferd ist ein auffälliges, aber meist harmloses Krankheitsbild. Es entsteht durch den Pilz „Rhizoctonia leguminicola“, der Klee und Luzerne befällt und das Gift „Slaframin“ produziert. Pferde reagieren mit starkem Speichelfluss und gelegentlich Verdauungsproblemen.
Mit einem „aufmerksamen Weidemanagement“, rechtzeitiger Futterumstellung und tierärztlicher Begleitung lässt sich das Risiko deutlich senken. So bleibt das Slobber-Syndrom zwar ärgerlich – aber für Ihr Pferd ungefährlich.