Eindecken – ja oder nein?
In vielen Ställen gibt es gerade nur ein wichtiges Thema: Eindecken oder nicht eindecken? Die Temperaturen werden zumindest nachts schon recht frostig (zumindest für unser menschliches Empfinden), und da möchten so manche Pferdebesitzer ihren Vierbeinern vielleicht etwas Gutes tun, andere „scheuen“ das dicke Winterfell – und sie alle versehen ihre Pferde mit einer Decke. Ob Abschwitzdecken, Übergangsdecken, Weidedecken, Regen- oder Winddecken – für nahezu jede Wetterlage ist etwas dabei. Doch wie lange halten es die Pferde auch gut ohne Decke aus? Und brauchen Pferde überhaupt Decken? Wir haben da mal bei unseren Experten nachgefragt:

Gut einkuscheln bei kalten Temperaturen oder doch lieber ohne Decke?
Der Fellwechsel ist da
Die Tage werden schon kürzer, die Sonnenstunden weniger – das Winterfell unserer Pferde wird dafür mehr und die Anzahl der Pferdedecken in der Stallgasse auch. Doch zunächst einmal sollte uns Pferdemenschen bewusst werden, dass Pferde nicht grundsätzlich frieren, nur weil wir Pferdehalter die Temperaturen im Herbst oder Winter als unangenehm empfinden. Interessant ist nämlich: Die Toleranz der Pferde gegenüber Kälte ist weitaus größer als gegenüber Hitze. Natürlich ist richtig, dass auch Pferde ihre Körpertemperatur gerade im tiefen Winter konstant halten müssen, um überleben zu können. Aber, wichtig zu wissen: Nur bis zu 35 % der Energie eines Pferdes wird in Bewegung umgesetzt, die restlichen 65 % kann es in Wärme umwandeln. Das bedeutet, dass ein Pferd sogar bei trockenen -15 ° C in der Lage ist, den eigenen Wärmehaushalt sicherzustellen. Und das ganz ohne eine Decke oder zusätzliches Futter. Erst wenn die Temperaturen darunter fallen, gehen die Experten von einer erhöhten notwendigen Energiezufuhr aus. Diese beträgt ein Plus an 2,5 % je weiter absteigendem Grad. Dann sollte in jedem Fall die Futterration angepasst werden, um ein ausreichendes „Wärmepolster“ zu schaffen.
Wann sollen wir Pferde eindecken?
Doch zurück zur Ausgangsfrage: Eindecken – ja oder nein? Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass Pferde in guten Haltungsbedingungen gesünder leben ohne Pferdedecke. Die Voraussetzung dafür: ein adäquates Winterfell und ein guter Ernährungszustand. Stehen die Pferde allerdings nicht so gut im Futter, sind gar krank oder hatten durch falsches Haltungsmanagement (zu frühes Eindecken, zu wenig Weidegang, Mineralstoffmangel, zu wenig Tageslicht) keine Gelegenheit, ausreichendes Winterfell auszubilden, sollte man in jedem Fall auf eine Decke zurückgreifen.
Decke als Kälteschutz?
Anders verhält es sich bei Pferden, die auch im Winter regelmäßig hohe Leistungen erbringen – sei es im Training oder bei Hallenturnieren. Sie schwitzen demnach beinahe täglich sehr stark, weshalb die Reiter bereits sehr früh durch das Eindecken selbst in der Box die Entstehung des Winterfells vermeiden möchten. Das lange Trockenreiten nach der Arbeit entfällt damit. Diese Pferde benötigen dann aber während des gesamten Winters eine den Temperaturen angepasste Decke. Mögliche Alternativen dazu wären:
- Die Trainingsintensität senken.
- Kürzere Trainingseinheiten mit vielen Pausen planen.
- Das längere Trockenreiten in Kauf nehmen.
Haben die Pferde geschwitzt oder wurden sie (da z.B. im Sport aktiv) geschoren, sollte man in jedem Fall zur (Abschwitz-)Decke greifen, um einen Zug oder eine Erkältung zu vermeiden.
Wir wünschen allen Blog-Lesern – ob mit Decke oder ohne – einen guten Start in die kalte Jahreszeit und stehen für weitere Fragen rund um Haltungs- und Fütterungsthemen gerne zur Verfügung.
Ihr MASTERHORSE-Team


