Obwohl Paul seine Schmerzmittel Tag für Tag tapfer nahm, änderte er sein Verhalten nicht. Er stand in seiner Box und bewegte sich nicht im Geringsten. Vor ihm musste man sein Heu ablegen und einen Eimer mit Wasser abstellen, hinter- und unter ihm musste man die Box misten. Sein Gesicht zeigte ununterbrochen, dass er unter starken Schmerzen litt. Nach drei Tagen kam der Hufschmied auf den Hof. Auf Anraten des Tierarztes in der Pferdeklinik sollte er versuchen, Pauls Vorderhufe annähernd ähnlich auszuschneiden, so dass man gegebenenfalls nochmals gute Vergleichsbilder zwischen dem linken und dem rechten Vorderbein machen konnte. Da Paul den schmerzenden Fuß ohnehin entlastete, begann der Schmied mit eben diesem. Nachdem er fast fertig war, stutzte er wegen eines kleinen dunklen Flecks auf der jetzt schön hellen Sohle. Er versuchte, auch diesen mit dem Hufmesser zu entfernen und brach auf einmal durch die Sohle: ein Hufgeschwür! War das das Problem? Nachdem ein wenig von der hufgeschwür-typischen, schwarzen, übelriechenden Flüssigkeit herausgelaufen war und der Hufschmied das kleine Loch sauber ausgeschnitten hatte, ordnete er einen Sauerkrautverband für die nächsten Tage an. Nachdem er diesen gleich selbst zum ersten Mal angelegt hatte, schien wirklich alles besser zu sein: Pauls Schmerzgesicht entspannte sich zusehends, er stand fest auf allen vier Beinen und lief wie gewohnt durch seine Box und auf seinen Paddock. Am nächsten Tag bekam Paul gleich Besuch von seinem Tierarzt aus der Pferdeklinik. Er begutachtete das schön ausgeschnittene Loch in der Hufsohle zufrieden und verordnete Paul ein paar Tage Schrittruhe und erlaubte ihm – solange er dabei lahmfrei bleibt – in drei Tagen auch ohne Reiter zu traben. So begann für Paul ein kleines Aufbauprogramm. Ohne Schwierigkeiten trabte er munter auf hartem Boden und auch in der Halle. Seltsam war allerdings, dass sein gewohnter Raumgriff aus der Schulter ausblieb. Eher staksig setzte er die Vorderbeide im Trab voreinander. Zunächst ging seine Besitzerin davon aus, dass er sich bestimmt innerhalb der nächsten Tage wieder einläuft. Doch dem war nicht so. Paul lief schmerzfrei – aber komplett anders als sonst.

Oberhalb des ausgschnittenen Hufgeschwürs sieht man auf diesem Röntgenbild die feine Linie.
Als der 19-Jährige von seiner Besitzerin nach ein paar Wochen noch immer nur an der Hand und nicht unter dem Sattel bewegt wurde und trotzdem staksig lief, stellte sich die Frage: Ist das jetzt eventuell die erste Alterserscheinung oder stimmt da noch immer etwas nicht?
Da sicher ja bekanntlich sicher ist, fuhren Paul und seine Besitzerin nochmals nach Kirchheim in die Pferdeklinik, um ihn dort ein weiteres Mal eingehend untersuchen zu lassen. Und tatsächlich: Dr. Fischer entdeckte auf einem der Bilder ein ganz leichter Schatten in Form eines millimeterbreiten Striches. Er äußerte den Verdacht, dass hinter Pauls verändertem Gangbild nicht nur das Hufgeschwür, sondern eine komplette Hornsäule verstecken könnte. Unter lokaler Betäubung ging er dieser zunächst mit dem Hufmesser und schließlich auch mit einer Flex und OP-Besteck auf den tiefen Grund: Ein ganzer Keil krankhaft veränderten Horns von der Sohle bis zum Kronrand, von der Hufwand bis ans Hufbein musste entfernt werden.

Bis auf das Hufbein konnte man nach der OP sehen.
Der Barfußläufer Paul bekam einen Spezialbeschlag und einen Druckverband – denn die größte Gefahr war, dass der aufgrund des fehlenden Stückes nun sehr instabile Huf auseinanderbricht. Drei Wochen stand Paul deshalb unter genauer Beobachtung in der Pferdeklinik und wurde dann unter zahlreichen Sicherheitshinweisen entlassen.
Heute, zehn Monate nach der Operation, ist der Huf nahezu nachgewachsen.

So sieht Pauls Huf aktuell aus – nach elf Monaten.
Nach acht Wochen zweimal täglich fünf Minuten Schritt führen, durfte die Bewegung an der Hand kontinuierlich gesteigert werden. Vier Monate nach der OP saß unsere Kollegin zum ersten Mal wieder im Sattel. Nach sechs Monaten durfte sie ihn in allen drei Gangarten reiten. Heute kann Paul wie früher dressurmäßig gearbeitet werden. Er hat schon einiges an Muskelmasse wieder aufgebaut und auch Stangen- und Cavalettiarbeit gehören mittlerweile in sein Programm. Selbst der Koppelgang in seiner Herde ist kein Problem – der Huf hält. Wenn auch der letzte Rest herausgewachsen ist, kann man darüber nachdenken, ob Paul wie vor der Operation wieder ohne Eisen laufen kann.
Selbstverständlich bekam Paul auch über sein Futter die nötige Unterstützung: Mit dem MASTERHORSE BIOTIN-2000-PRO hatte er alle Nährstoffen die sein Huf für ein rasches Wachstum und einen stabilen Huf braucht. Das MASTERHORSE TRI-PROTECT versorgte Paul mit Nährstoffen für den Wiederaufbau seiner Muskeln und für starke Nerven.
