
Paul am Morgen des zweiten Tages: Erstand mit starken Schmerzen nur noch auf zwei Beinen.
Ein Pferd verbringt den größten Teil seines Tages im Stehen oder im Laufen. Dazu benötigt es vier gesunde Hufe. Wenn auch nur einer davon beeinträchtigt ist, gerät das ganze Pferd wortwörtlich aus dem Takt. Davon kann eine unserer Kolleginnen aus leidiger Erfahrung berichten. Was damit begann, dass ihr Pferd leicht humpelnd von der Koppel kam, endete jetzt nach fast einem Jahr zum Glück damit, dass ihr Pferd wieder voll einsatzfähig ist. Das hätte allerdings auch ganz anders ausgehen können – doch der Reihe nach:
Anfang Mai letzten Jahres stand der damals 19-jährige Wallach Paul nach der Koppel nur auf drei Beinen; den vorderen rechten streckte er demonstrativ nach vorne weg und stellte ihn wenn dann nur ganz leicht mit der Hufspitze vor sich ab. Da er ansonsten ganz munter aussah und keine Verletzungen, Schwellungen etc. zu finden waren, führte unsere Kollegin ihren Paul einige Runden in Schritt und Trab über den Hof. Doch abgesehen von ganz leichten Taktunreinheiten war nichts Gravierendes zu sehen. Da Paul – kaum stand er wieder in seiner Box – das rechte Vorderbein wieder wie beschrieben nach vorne wegstreckte, wurde sicherheitshalber die Tierärztin alarmiert.
Auch sie konnte auf den ersten Blick nichts feststellen. Sogar beim Abdrücken mit der Hufzange und bei sämtlichen Beugungen und Streckungen zuckte Paul nicht ein einziges Mal. Deshalb beschloss man zu röntgen. Doch nicht einmal die Bilder ergaben einen Befund. Man beschloss, eine Nacht abzuwarten – eventuell konnte Paul am nächsten Morgen besser zeigen, wo ihm etwas weh tat oder vielleicht war der Schmerz bis zum nächsten Morgen abgeklungen.
Leider war beides nicht der Fall: Als seine Besitzerin tags darauf sehr früh in den Stall kam, stand Paul im Vergleich zum Vortag noch schlechter. In seinem Gesicht waren ihm die starken Schmerzen mittlerweile zu deutlich anzusehen. Tapfer ließ er sich – nun auf dem rechten Vorderbein stark lahmend – trotzdem in den Hänger verladen und in die Pferdeklinik bringen.
Dort wurde er nochmals geröntgt, gebeugt, gestreckt und abgedrückt – wieder ohne Reaktion. Stoisch ließ er alles über sich ergehen. Das einzige, was er schließlich komplett verweigerte, war das Laufen. Etwas ratlos verschrieb der behandelnde Tierarzt Paul starke Schmerzmittel und schickte ihn wieder nach Hause. Eine Woche hätte er nun Zeit, darauf positiv zu reagieren oder vielleicht doch anzuzeigen, wo der Schmerz genau sitzt. Wenn er das nicht täte, müsse man ihn erlösen.
In unserem nächsten Blog-Eintrag erfahren Sie, wie es mit Paul weiterging und wie es ihm heute geht.
