Aneinander reibende, sich überkreuzende oder sogar zusammenwachsende Dornfortsätze bedeuten in den meisten Fällen starke Rückenschmerzen für das betroffene Pferd. Die sogenannten „Kissing Spines“ finden sich meist zwischen dem zehnten Brustwirbel und dem vierten Lendenwirbel, da die Wirbelsäule hier besonders beweglich und die Dornfortsätze sehr lang sind. Drückt das Pferd den Rücken weg, kann es in diesem Bereich zu schmerzhaften Reibungen und auch Entzündungen zwischen den Wirbeln kommen. Woher kommt das? Und was ist tun?
Ein zu frühes Anreiten oder ein zu straffer Trainingsplan in jungen Jahren können die Wirbel ebenso irreversibel schädigen wie ein Reiter mit zu harter Hand, zu wenig gymnastizierende Einheiten auf dem Trainingsplan oder die mangelnde Gelegenheit, den Rücken immer wieder aufwölben und entspannen zu können. Doch was kann uns – abgesehen von einem empfindlichen Pferderücken – zeigen, dass unsere Pferde Probleme an der Wirbelsäule haben?
1. Im Umgang /in der Box:
– Empfindlichkeit beim Putzen / Abtasten des Rückens
– Durchdrücken des Rückens beim Aufsteigen / Anreiten
– Sattel- und- / oder Gurtzwang
– Unwilligkeit beim Beschlagen

Das Verweigern von Sprüngen oder bestimmter Lektionen kann ein Anzeichen von Rückenproblemen sein.
– Schwierigkeiten beim Urin- oder Kotabsatz
– Widerwille sich in der Box zu legen oder sich zu wälzen
2. Unter dem Sattel:
– Mangelnde Leistungsfähigkeit
– Arbeitsunlust
– Taktfehler
– schief getragener Schweif
– Rittigkeitsprobleme
– schwungloser Gang
– eingeschränkte Hinterhandaktivität
– Springen „ohne Rücken“
– Verweigern vor dem Sprung
– „Wegrennen“ bei bestimmten Lektionen
Von nun an vorwärts-abwärts: Lautet die Diagnose Kissing Spinnes, sollte die Belastung des Pferdes mit Hilfe eines Trainingsplans optimal an die Bedürfnisse des erkrankten Rückens angepasst werden. Sowohl an der Longe als unter dem Reiter geht es nun darum, das Pferd so zu arbeiten, dass die Muskeln zum einen gelockert und zum anderen weiter aufgebaut werden. Nur so können die krankhaft veränderten Wirbel gefördert und entlastet bzw. entstandene Entzündungen gemildert werden. Auch über das Futter können Pferde mit Kissing Spines in Form von chondroitin- oder glucosaminhaltigen Ergänzungsfuttermitteln sowie essenziellen Aminosäuren, Vitamin E und Selen sinnvoll unterstützt werden. Gegebenenfalls kann der Tierarzt an den betroffenen Stellen entzündungshemmende Medikamente einspritzen. Von einer Operation raten die Veterinärmediziner allerdings in den meisten Fällen ab, da oft nicht nur die Dornfortsätze sondern bereits auch die Gelenkfortsätze am Wirbelkörper schmerzhaft verändert sind.


