Mit einer Galle bringen wir Reiter nicht sofort etwas Schwerwiegendes in Verbindung, sondern verbuchen sie meist
unter der Rubrik „Schönheitsfehler“. Die typischen Ausbuchtungen verursachen im Regelfall auch keine Schmerzen und schränken die Bewegungsmöglichkeiten der Pferde nur selten ein. Doch die sprichwörtlichen Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Manchmal sind Gallen (auch Hydrops oder Hygrom genannt) nämlich Begleiterscheinungen ernstzunehmender gesundheitlicher Probleme. Aus diesem Grund sollten wir jede neue Schwellung gründlich unter die Lupe nehmen.
– Piephacke: eine Galle am Hautschleimbeutels des Fersenbeins

Oft nur ein Schönheitsfehler, manchmal aber auch ein Hinweis auf ein gesundheitliches Problem: eine Galle.
– Kreuzgalle: eine Galle am Sprunggelenk
– Stollbeule: eine Galle am Hautschleimbeutel des Ellenbogenhöckers
– Eiergalle: eine Galle am Sprunggelenk seitlich neben dem Fersenbeinhöcker
– Genickbeule: eine Galle am Schleimbeutel zwischen Nackenband und Atlas
– Knieschwamm: eine Galle am Hautschleimbeutel vorne an der Vorderfußwurzel
– Kurbengalle: eine Galle seitlich am Sprunggelenk
Ist die Galle nun schon da, muss auf jeden Fall die Ursache herausgefunden werden, um ein gesundheitliches Problem entweder auszuschließen oder adäquat zu behandeln. Vielleicht hat sich das Pferd ja „nur“ beim Training vertreten, an einem Hindernis angeschlagen oder auch einen Schlag auf der Koppel abbekommen. In diesen Fällen lahmt es oft nur kurz und kommt mit einem Schreck und eben einer Galle davon. Aber auch eine Fehlstellung der Hufe, Knochen- und Knorpelabsplitterungen (Chips), offene Verletzungen, Zerrungen oder Quetschungen können Auslöser der Gallenbildung sein.
Was tun? Bei bakteriellen Infektionen greift der Tierarzt meist auf entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika zurück. Akute, keimfreie Entzündungen können mit den Entzündungshemmern behandelt werden. In hartnäckigen Fällen kann die Flüssigkeit abgesaugt und Langzeitkortison injiziert werden, um eine Verbesserung zu erzielen. Eitrige Gallen und störende Chips können bzw. müssen in manchen Fällen operativ entfernt werden. Nicht nur aus gesundheitlicher, auch aus „kosmetischer“ Sicht empfiehlt sich ein rasches Handeln. Denn durch die vermehrte Ansammlung von Gelenkflüssigkeit erweitert sich das Bindegewebe. Bereits nach wenigen Wochen hat sich das Gewebe oft so verändert, dass es verdickt bleibt und sich die Ausbuchtung nicht mehr zurückbildet.
