Die richtige Fütterung ist immer wieder ein großes Thema in den Pferdeställen. Täglich füttern wir unsere Pferde mit Rau-, Kraft- und Saftfutter. Dabei achten wir ständig darauf, dass die Pferde eine auf sie abgestimmte Fütterung erhalten. Aber was geschieht eigentlich mit dem Futter nachdem es gefressen wurde? Wie ist der Verdauungstrakt aufgebaut und welche Vorgänge laufen bei der Verdauung ab? Unsere Experten haben sich mit der Verdauung befasst.

Die Verdauung des Pferdes fängt schon vor dem Magen an.
Teil 1 – Von der Futteraufnahme bis zum Magen
Im ersten Teil der Verdauungs-Serie nehmen wir den Weg des Futters von der Aufnahme über die Lippen bis hin zum Mageneingang unter die Lupe.
Der Kopfdarm – Wie kommt das Futter in den Magen?
Als Kopfdarm bezeichnet man die erste Passage des Verdauungstrakts, also von den Lippen bis zum Schlund. Dieser gehört bereits zum Vorderdarm, an dem sich der Magen anschließt. Zunächst wird das Futter mit den Lippen und Zähnen aufgenommen. Dabei verlässt sich das Pferd auf seinen natürlichen Instinkt. Mit seinem ausgezeichneten Geruchssinn und den beweglichen Lippen ist das Pferd in der Lage, sein Futter in schmackhafte und weniger attraktive Nahrung einzuteilen. Bei der Selektion der Futtermittel unterscheiden die Pferde auch zwischen nährstoffreichen und giftigen Pflanzen. Leider gibt es immer wieder Fälle von Vergiftungen durch schädliche Pflanzen, da manche Pferde den natürlichen Instinkt im Laufe der Domestizierung verloren haben.
Die Zähne bereiten die Futterkomponenten für den Verdauungsweg vor. Als erstes zerkleinern die Schneidezähne das Futter. Nachfolgend zermahlen die Backenzähne die Nahrungsbestandteile für die anschließende Verdauung.
Die Speichelproduktion findet in der Ohrspeicheldrüse statt. Das aktive Kauen aktiviert sofort dessen Bildung. Hierdurch wird der Futterbissen gleitfähig gemacht. Je nach Futtermittel unterscheidet sich die Menge: Rohfaserreiche Futtermittel führen zu einer vermehrten Bildung von Speichel wie z.B. bei Heu und Luzerne. Der Rohfasergehalt in Kraftfutter ist hingegen meist gering, dies führt zu einer verminderten Kauaktivität und weniger Speichelbildung. Bis zu fünf Liter entstehen bei einem Kilogramm Heu. Bei Krippenfutter ist es allerdings nur ein Liter pro Kilogramm Kraftfutter.
Je nach Futtermittelart unterscheidet sich zudem die Verweildauer im Verdauungstrakt. Auch hier hat das Heu wieder Vorteile. Der vermehrte Speichel fördert die rasche Aufnahme von Nährstoffen und lässt das Heu schneller in Energie umwandeln. Kraftfutter hingegen benötigt mehr Zeit, da Kohlenhydrate den Magen deutlich mehr belasten.
Alle 30 Sekunden schluckt das Pferd Futtermengen von 50-70g schweren Futterbissen ab. Die Futterkomponenten liegen für eine kurze Zeit vor dem Mageneingang. Um zu vermeiden, dass diese vor dem Magen weiter aufquellen, sollte auf ausreichendes Einweichen geachtet werden. Sonst kann eine Schlundverstopfung entstehen, da die Futterbissen nicht mehr in den Magen rutschen können.
Bei hastigen Fressern kann es zum Zusammenkleben der Happen vor dem Mageneingang kommen. Hier kann man Abhilfe schaffen. Durch die Zugabe von rohfaserreichen Häckseln wie z.B. Luzerne wird das Futter vermehrt gekaut und entsprechend mehr Speichel gebildet. Die Futterbissen gleiten durch die Speiseröhre zum Mageneingang. Dort verweilen sie, bis sich der Schließmuskel der Speiseröhre öffnet. Wenn der Fülldruck im Magen erreicht ist, zieht dieser sich zusammen. Ein Erbrechen des Futterbreis ist deshalb fast unmöglich.
Den weiteren Weg durch den Verdauungstrakt des Pferdes erklären wir in den nächsten Beiträgen. Im zweiten Teil befassen wir uns mit der Verdauung ab dem Magen bis einschließlich dem Dünndarm.
Viele weitere spannende Informationen rund um die Fütterung gibt es – wie immer – auch auf unserer Homepage. Und selbstverständlich stehen Ihnen auch zu diesem Thema unsere Experten unter 0800/6278374 und info@masterhorse.de zur Verfügung.
Ihr MASTERHORSE-Team wünscht viel Spaß beim Weiterlesen!

